Abfallvermeidung umfasst Maßnahmen und Verhaltensweisen, die darauf abzielen, die Entstehung von Abfall von vornherein zu verhindern. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Abfallmenge zu verringern, und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt, der Ressourcen und des Klimas, insbesondere durch die Reduzierung des Rohstoffverbrauchs sowie des Transport-, Wasser- und Energiebedarfs.

Materialströme – konkrete Maßnahmen für weniger Abfall

Ob Privatpersonen, Gemeinden, Unternehmen oder der Handel – jeder kann dazu beitragen, das Abfallaufkommen in fast allen Lebensbereichen zu verringern: vom Bauwesen und Wohnen über Kleidung und Ernährung bis hin zu Wäsche und Reinigung. Durch bewussteren Konsum und nachhaltige Produktion lässt sich die Abfallmenge reduzieren.

Wiederverwendbare Taschen

Alle Einwegtüten sind kurzlebig. Papiertüten bieten gegenüber Einweg-Plastiktüten keine ökologischen Vorteile, und biologisch abbaubare Tüten können das Recycling beeinträchtigen, da sie in der Regel nur energetisch verwertet werden.

Reduzierung von Verpackungsabfällen

In Deutschland fielen im Jahr 2016 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Mit den sich wandelnden Konsumgewohnheiten, der Zunahme vorverpackter Lebensmittel, der Vielfalt der Verpackungsformate und dem wachsenden Online-Handel steigt auch die Menge an Verpackungsabfällen.

Reduzierung von Lebensmittelabfällen

Etwa ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel wird weggeworfen. In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 12 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, obwohl viele davon noch genießbar sind. Eine Verringerung dieser Verschwendung senkt nicht nur das Abfallaufkommen, sondern mindert auch die mit der Produktion verbundenen Umweltauswirkungen, insbesondere den Flächen- und Energieverbrauch.

Nachhaltige Textilien

Warum sollten wir unsere Kleidung nicht länger tragen und sie weitergeben, wenn wir sie nicht mehr brauchen? Zwischen 2000 und 2014 hat sich die weltweite Bekleidungsproduktion verdoppelt. Kurzlebige Modetrends begünstigen eine Massenproduktion von Textilien, die schnell zu Abfall werden. Auch die Qualität der Produkte nimmt ab, was ihre Wiederverwendbarkeit oder Recyclingfähigkeit einschränkt.

Umweltfreundliches Waschen und Reinigen

Wasch- und Reinigungsmittel können Stoffe wie Tenside enthalten, die für Wasserorganismen giftig sind. Bestimmte Inhaltsstoffe sind schwer abbaubar und reichern sich in Fließgewässern und Sedimenten an. Der in diesen Produkten enthaltene Phosphor und die Salze verändern den Nährstoffhaushalt des Wassers und damit die Lebensräume von Pflanzen und Tieren.

Reduzierung des Baustoffverbrauchs und nachhaltiges Bauen

Die Baubranche ist eine der ressourcenintensivsten Branchen. Beim Bauen und Abreißen fallen große Mengen an Abfall an. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass Gebäude manchmal verbotene Stoffe enthalten, die erst Jahrzehnte später zu Abfall werden. Nachhaltiges Bauen schützt die Umwelt und verbessert die Lebensqualität und den Komfort der Bewohner.

Bei der ökologischen oder bioklimatischen Bewertung wird der gesamte Lebenszyklus eines Produkts berücksichtigt:

  • Verwendung nachwachsender Rohstoffe
  • Minimaler Transportaufwand
  • Geringer Energieverbrauch bei der Herstellung
  • Nutzung erneuerbarer Energien
  • Lange Lebensdauer und Reparaturmöglichkeit
  • Recycelbarkeit

Die Verwendung weniger nachhaltiger Materialien kann gerechtfertigt sein, wenn für den vorgesehenen Verwendungszweck keine Alternative zur Verfügung steht.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, Baumaterialien wiederzuverwenden und Projekte so zu planen, dass die Ressourceneffizienz optimiert wird.

https://www.umweltberatung.at/themen-bauen-bauprodukte

Reduzierung von Schadstoffen

Viele Alltagsgegenstände werden mit Chemikalien behandelt, um ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen. So werden beispielsweise viele Funktionskleidungsstücke mit per- und polyfluorierten Substanzen (PFAS) behandelt, um sie wasser- und schmutzabweisend zu machen.
Diese Substanzen können jedoch negative Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit haben.

PFAS sind in der Umwelt äußerst langlebig und mobil. Sind sie einmal vorhanden, lassen sie sich nur schwer beseitigen. Zudem zeigen immer mehr Studien, dass bestimmte PFAS gesundheitsschädliche Auswirkungen haben können. Dies stellt ein Problem sowohl während der Nutzung der Produkte als auch dann dar, wenn diese zu Abfall werden.

Das Ziel der Abfallvermeidung besteht nicht nur darin, die Abfallmenge zu verringern, sondern auch deren schädliche Auswirkungen zu mindern. Was die in Produkten enthaltenen gefährlichen Stoffe betrifft, ist es daher notwendig, diese Stoffe in den Recyclingkreisläufen zu reduzieren und, wenn möglich, zu beseitigen, da sie sich andernfalls ansammeln.

Am besten ist es natürlich, diese gefährlichen Stoffe von vornherein nicht zu verwenden. Dort, wo ein freiwilliger Verzicht nicht ausreicht, sind Beschränkungen oder Verbote erforderlich. Einige Hersteller von Funktionstextilien haben bereits auf PFAS verzichtet, doch dies gilt noch nicht für alle, und diese Stoffe werden in vielen anderen Bereichen verwendet. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer umfassenden Regelung für PFAS.

Konzepte zur Abfallvermeidung

Es gibt kein Patentrezept für eine wirksame Abfallvermeidung. Man muss verschiedene Maßnahmen kombinieren:

  • Maßnahmen, die auf bestimmte Produkte oder Sektoren ausgerichtet sind
  • allgemein anwendbare Gesamtkonzepte

Förderung eines nachhaltigen Konsums

Wussten Sie, dass ein Auto im Durchschnitt 23 Stunden am Tag ungenutzt bleibt? Das Prinzip „Nutzen statt besitzen“ ist daher eine interessante Alternative. Über Sharing-Plattformen können Menschen aus derselben Region Produkte miteinander teilen. Das senkt die Anschaffungskosten und trägt dazu bei, die Menge an Produkten zu verringern, die als Abfall enden.

Abfälle aus dem Online-Handel

Der Online-Handel boomt, wodurch die Zahl der transportierten Pakete steigt. Dies verbraucht Energie, verursacht Emissionen und erzeugt Abfall, da Verpackungen selten wiederverwendet werden und zu große Kartons oft mit Füllmaterial aufgefüllt werden. Rücksendungen stellen ein besonderes Problem dar: Ein Teil der zurückgesandten Produkte wird direkt weggeworfen.

Abfallvermeidende Produktgestaltung

Häufig werden Produkte vor Ablauf ihrer tatsächlichen Lebensdauer ersetzt. Dieser vorzeitige Austausch wird als „Obsoleszenz“ bezeichnet:

  • Technische Veralterung: Ein defektes Gerät wird nicht repariert, da die Reparaturkosten fast so hoch sind wie die Kosten für ein neues Gerät.
  • Psychologische Veralterung: Der Verbraucher wünscht sich ein neues Produkt, obwohl das alte noch funktioniert.

„Blauer Engel“, Bio-Siegel, Fairtrade International, TÜV – welches Siegel garantiert eine gute Wahl und welches sollte man besser im Regal stehen lassen? Siegel liefern verlässliche Informationen zur Umweltqualität konkreter Produkte und sind daher eine wertvolle Hilfe, wenn es darum geht, Abfall zu vermeiden. Etablierte und glaubwürdige Produktsiegel bieten in dieser Hinsicht eine nützliche Orientierungshilfe.